Dampfer

eigentlich könnte ich mich entspannt zurücklehnen
mein bisheriges leben - eine einzige glückssträhne
ich kam zur welt bei eltern mit geld und ticket für das Schiff
auf dem ich gegenwärtig meine wege zurücklege

ich komm noch runter von dem dampfer

ich bin an bord des größten und schnellsten dampfers im rennen
den anderen so weit voraus, man kann sie kaum noch erkennen
die maschinen laufen schneller immer schneller ohne ende
was mich ein bisschen beunruhigt, weil ich die richtung nicht kenne

ich springe ab von diesem von diesem schiff

und auf deck wo ich sonst die meisten stunden verbringe
fordert das tempo seinen preis, der dampf will alles verschlingen
man sieht die hand kaum vor augen ich fang an zu laufen
vor mir ist die rehling jetzt werde ich springen

ich spring ins tiefe kalte blau

ich bleibe doch noch mal stehen, die maschinen tosen
ich befrei mich von schuhen und socken, t-shirt und hose
ich seh mich noch einmal um der dampf steigt nach oben
ich seh nach unten, seh die wellen und den meeresboden

mit einem lächeln im gesicht

ich springe ab
und fall nicht runter
sink nicht ab
ich steige auf
ich springe rauf
ich geh´ nicht unter
ich springe einfach weg

ich spring ins kalte wasser, leicht und entspannt
ich fühl mich frei und ganz, ich trage kein gewand
bis zu diesem punkt habe ich keine angst
doch während ich langsam falle fang ich zu zweifeln an
ich hab doch keine ahnung was mich da unten erwartet
ich war schon ein paar mal im pool doch schwimmen ist nicht gleich baden
schon spür ich wie meine füße das wasser berührn
es ist gar nicht so kalt wie ich gedacht hab dass es wird

ich springe ab
und fall nicht runter
sink nicht ab
ich steige auf
ich tauche auf
ich geh nicht unter
und das Schiff fährt langsam weg

Ich seh dem Schiff noch nach
In meinen Augen wird die Sicht unscharf
In mir wird ein Gedanke klar
und zwar:

jetzt habe ich die kontrolle über das nass das mich umgibt
jede bewegung von mir
- bewegt die welt
das wasser stärkt jede pore die es umspült und ich kann
jetzt selbst die richtung entscheiden
- jetzt bin ich steuermann

ich fühl mich weich und geborgen, ich fühl mich leicht und erfrischt
die wellen heben mich friedlich
- ich seh den horizont
ich könnte ewig so treiben ohne zu wissen wohin
die wellen heben mich wieder
- aber ich seh kein Schiff

Ich geh auch einmal auf Tauchstation
Ich glaub es nicht doch ich seh es schon
Die letzten Blasen von heißem Dampf
Steigen noch auf vom Schlot

ich weiß nicht, warum ich zweifelte
jetzt bin ich frei
ich fühl mich leicht
doch das meer ist weit

es ist wirklich zum lachen, wovor hatte ich angst
ich war wie gebannt davon, jeder muskel verspannt
fast hätt ich es nicht geschafft über den rand
doch mut sei dank bin ich dann doch im wasser gelandet
ich hab’ ja gedacht ich könnte untergehen
schließlich bin ich jetzt ja ohne dampfer unterwegs
und den wellen ohne zweifel unterlegen
doch keine denkt daran mich auf den grund zu ziehen
stattdessen tragen sie mich wenn ich mich tragen lasse
das wasser ist weich, es ist nicht hartes wasser
und ja ich bin frei, ich könnte überall hin
doch ich weiß ja nicht mal wo ich überhaupt bin
geschweige denn kenn ich die inseln
um mich zu entscheiden wohin ich schwimme
und selbst wenn weiß ich nicht, wie weit es ist
und jederzeit könnte mich ein hai verschlingen

doch es gibt noch eine möglichkeit
ich lehne mich zurück und lass mich treiben
ich tu nichts, das meer entscheidet

Ich lehne mich zurück und das Meer entscheidet
weil es zwar nicht mehr als ich aber weniger weiß



bla bla bla